Neues aus der Akademie

Schreiben wie auf Speed

(Kommentare: 1)

Autoren und Autorinnen kennen es: Tagelang geht gar nichts, kein Wort passt, nichts läuft. Und dann wieder schreiben wir, als wären wir auf Speed. Was manchmal super wirkt, kann aber auch anstrengend werden.

Oft genug ist das Schreibleben mühsam: Man hantelt sich von Zeile zu Zeile, schafft mühsam eine Seite. Dazwischen fragt man sich, wozu das alles überhaupt. Man steht drölfzig Mal auf, schaut aus dem Fenster, auf der Suche nach Ideen. Aber nichts, nada.

Und dann gibt es die anderen Tage. Es flutscht nur so. Zeile um Zeile, was heißt Zeile - seitenweise ergießt sich der Text wie von selbst aufs Papier (in den PC klingt jetzt nicht so schön, oder?). Schlafen? Später! Kaffee, noch einer, noch zwei. Eine Pause? Nicht nötig. Schnell ein Brot. Und dann umfallen, spät am Abend. Die Gedanken an die Geschichte begleiten einen mit in den Schlaf. Manchmal ist man munter und muss sich schnell eine Notiz machen. Und am Morgen weiter, immer weiter. Es ist Schreiben wie auf Speed. Warum aufhören, wenn es doch so gut läuft? Man muss den Flow doch nützen, auf der Welle reiten! Und womöglich ist die Deadline schon bald ...

Aber dann ...

Aber ... irgendwann gehts dann doch nicht mehr. Man ist ausgelaugt, müde, nichts geht. Jede Zeile ist wieder Qual. Das Manuskript wird vielleicht fertig, oder auch nicht. Alles stockt.

Man fühlt sich ausgebrannt. Leer. War das je was, das Schreiben? Wozu tut man sich das an?

War das Schreiben wie auf Speed vielleicht doch nicht so gut?

Lieber so?

Meine Erfahrung ist, dass dieses getriebene Schreiben nicht so gut tut. Vielleicht eine Stunde oder einen Vormittag lang, aber nicht für länger.

Was aber tun dagegen? Ich habe ein bisschen gesammelt:

  • Sich eine bestimmte Anzahl Seiten/Szenen pro Tag vornehmen. Wenn sie fertig sind - aufhören für diesen Tag. Rausgehen oder sonst etwas machen, was Freizeitvergnügen ist.
  • Gottverdammte Pausen machen! Klingt banal, ist aber wesentlich. Nach 1h aufstehen, nach 2h eine längere Pause. Notfalls mit Erinnerung am Handy. Oder am Beginn des Schreibens auf die Uhr schauen, 2h Schreibzeit vornehmen.
  • Feierabend! Es gibt ein Leben jenseits des Schreibens, auch wenn man es kaum glauben sollte. Macht euch regelmäßig mit Leuten was aus, dann müsst ihr raus aus dem Alltag/Schreibleben/der Wohnung. :-)
  • Und letztlich: Das Ganze nicht ganz so bierernst nehmen. Ja, Ziele sind super, ohne Ziele läuft es auch nicht. Aber niemand wird danach fragen, ob Ihr Euer Buch in 3 oder 6 oder 24 Monaten fertig geschrieben habt.
  • Das Leben ist mehr als Schreiben, stimmts? Überlegt euch mal, was Ihr sonst noch gern macht - was Euch ausmacht. Was sind Eure Interessen? Geht ihnen nach. Macht Picknicks, tratscht mit Leuten, geht in eine Ausstellung. Egal. Sport ist auch nicht ganz schlecht, als Ausgleich wichtig.
  • Auf ein Projekt konzentrieren. Man kann vielleicht auch 2 schaffen, aber dann wirds schon verrückter. Denkt an die 1000 Hochzeiten, auf denen noch nie wer zugleich war. ;-)
  • Pläne für danach - Belohnungen. Wenn wirklich mal eine Zeit lang viel zu tun ist: Schreibt auf einem Wunschzettel auf, was ihr euch danach vornehmt! Sehr konkret. Also: einen Tagesausflug an den See machen zum Beispiel. Oder das Buch XY lesen.
  • Und wenn das Manuskript fertig ist: Ordentlich feiern!

Fällt Euch noch mehr dazu ein?

Was unternehmt Ihr, um nicht völlig auszubrennen?

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Kommentar von Mathias Reiter |

Hallo Frau Mag. Bürkl!
Nachdem ich seit fast 50 Jahren mich -täglich- mit meinen Geschichten in den Schlaf denke, bringe ich sie endlich auf PC. Ja auf PC nicht auf Papier. Liegt vermutlich daran dass Microsoft besser rechtschreiben kann als ich. Oder dass ich meine Klaue manchmal selber nicht lesen kann. Aber zum Thema. Meine Wenigkeit ist nicht so vermessen zu glauben die Weisheit des Schreibens erfunden zu haben. Also begann ich mit 4 Bücher. 2 von Herrn Frey, Sol Stein, und meinen Favorit Mr. King. Er scheint mir ein kleines Genie zu sein. Aber Bücher sind nicht alles, also Mr. Google gefragt und viele Seiten gefunden. Nach einigen suchen, endlich Ihre. Es gefällt mir was Sie Schreiben und wie Sie es Schreiben. Oh Gott, schon wieder nicht beim Thema. Aber jetzt! Thema Speed. Sie haben recht, ABER! Kann ja nicht anders sein als dass ein ABER kommt, nach dem "recht haben" :)
Was soll man machen wenn mich die Figuren in der Nacht quälen? Neulich war Nar Bell bei mir und fragte mich: "Warum erzählst du nicht weiter? Bin ich umsonst gestorben?" Naja, er war mein Liebling, mein Held. Für kurze Zeit. Es hat sich eben alles anders entwickelt. Was soll man machen. Ich war selber überrascht. Nur was antworte ich ihm? Ich liege im Bett und grüble. Ist Kolar wirklich so ein Arsch? Ich hab 10 Antworten, weiß wie es weitergeht, der Weg ist logisch, eine Autobahn. Wenn er morgen weg ist, was dann? Mir ist um Nar Bell leid, es kullert vielleicht eine Träne über meine Wangen und ich bin froh das es dunkel ist und meine Frau schläft. Sollte ich nicht doch aufstehen und schreiben? In gedenken an Nar Bell? Ich hoffe er bekommt eine Gedenktafel, nicht einmal das ist sicher, es geht drunter und drüber. Ich lese mich jetzt durch den Rest Ihrer Homepage. Das lenkt ab und ist interessant. Meine Augen brennen schon wieder. Verdammt, warum musste er sterben.

LG Mathias Reiter

Antwort von Anni Bürkl

Hallo Herr Reiter, danke für den Kommentar!

Sprechen Sie mit Ihrer Figur und sagen Sie ihr, sie soll sich an die Wach- und Schlafzeiten halten. ;-)