Neues aus der Akademie

Sagen, was ist, wird die Welt verändern

(Kommentare: 1)

Mir platzt jetzt auch mal die Hutschnur. Immer mal wieder gehen ähnliche Dinge durchs Netz: Dass Bücher Rape Culture (Vergewaltigungskultur) verherrlichen oder Alkoholismus zu positiv dargestellt werde.

Nun möchte ich keines davon verherrlichen und schon gar nicht verharmlosen. Aber mal ehrlich: Nur weil man im Buch darüber schreibt, heißt man etwas ja nicht automatisch gut.

Sagen, was ist, wird die Welt verändern

Literatur hat meiner Überzeung nach zwei Möglichkeiten:

Die Realität darzustellen - und zwar so wie sie ist, ungeschönt. Mit allem, was dazugehört.

Und Auswege aufzuzeigen - Alternativen, Möglichkeiten.

Als Autorin habe ich immer die Wahl, wie ich mit solchen heiklen Themen umgehe.

Sagen, was ist, wird die Welt verändern - weil wir dann die Zusammenhänge verstehen und anders zu handeln in der Lage sind. Nun sollen Romane nicht unbedingt eine Lebensanleitung sein - aber sie können zum Denken anregen. Sollen sie sogar, dass ist Aufgabe der Literatur.

Das heißt für Autorinnen und Autoren: Zeigen, wie die Welt ist - im Rahmen der Handlung. Zeigen, was die Auswege sein können. Die Alternativen zum Ist-Zustand. Da stimme ich dem erwähnten Blog-Artikel zu, hier könnten wir vieles zeigen, was etwa in dem Fall Alkoholismus bedeutet: Eine Sucht, die das ganze Leben zum Negativen beeinflusst.

Zeigefinger runter!

Aber ich habe etwas gegen diese Forderung nach Moral. Literatur soll keinen erhobenen Zeigefinger beinhalten. Es ist doch wohl klar, wenn jemand zum Frühstück einen Klaren trinkt und keine Wohnung mehr hat, dass der dann ein Problem hat? Wollt ihr wirklich, dass dann noch jemand auftritt und sagt: "Tutu, lieber Alkoholiker, das macht man aber nicht! Hättest du mal früher was gecheckt, hättest du jetzt ein schönes Zuhause. Und jetzt mach brav einen Entzug!"

Wollt ihr das? Ehrlich?

Dann müsste ja in jedem Mordfall der selbe Zeigefinger erhoben werden: "Tutu, du böser Mörder, das war jetzt aber böse!"

Ich meine: Ernsthaft?

Wenn das die Zukunft der Literatur sein soll, dann hat mein Stil Pause ...

 

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Blogbeitrag von Franzi

Nachtrag 20. März 2018:

Hier auf dieser Liste werden Bücher thematisiert, die Missbrauch verharmlosen.

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Kommentar von Franziska |

Hi,

ich bin definitiv dafür, dass die Themen angesprochen werden sollen und stimme bei denen oberen Möglichkeiten auch voll zu. Und klar, muss ich jetzt nicht so klar und deutlich mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen. Aber micht stört einfach wahnsinnig, dass viele dieser typischen Ermittler nun mal eben aus der Klischee-Kiste raus scheinbar unbedingt ein Alkhohlproblem haben müssen und dabei wird dieses aber oft so vollkommen nebensächlich und selbstverständlich dargestellt und er halt trotzdem als so ein toller Held gefeiert. Das nimmt einem als jemand, der hautnah die Probleme, die damit einhergehen erlebt und erlebt hat, einfach mit und verleidet einem die ganze Geschichte. Ich würde mir nur wünschen, das man merkt, dass es ein Problem ist, und das man einfach mal dieses Alkholismus-Klischee in solchen Stories weglässt, der Ermittler kann ja auch einfach mal ohne Alkohol super genial sei. Finde auch, dass man das mit dem Mordfall nicht wirklich vergleichen kann, schon allein weil Mord ganz klar ein Verbrechen ist. Alkoholsucht aber eine Krankheit, dass leider oft zu lasch gesehen wird bzw. mit dem Tehma Alkohol an sich oft sehr locker umgegangen wird. Aber, das ist auch nur meine Meinung, weil ich einfach hautnah mit dem Thema leben muss, jeder hat einen anderen Geschmack und wie schon geschrieben, mag das nicht jeden stören und für die ist dein Stil dann ja perfekt.

Vg Franzi

Antwort von Anni Bürkl

Danke für deine Antwort, Franzi!

Klar, die Klischee-Kisten sind sowieso doof, mit oder ohne Alkohol. Auch der depressiv durch die Landschaft schleichende Ermittler zum Beispiel.

Und auch klar, wenn dir etwas zu nahe geht - aber wo fängt man an und wo hört das auf? Jeder lässt Themen weg, die einem zu nahe gehen, oder? Ich pfeffere Bücher ins Eck, wo Tiere gequält werden. Geht gar nicht. Nur so als Beispiel. Wird aber mitunter verwendet, um einen späteren Täter zu zeigen, wie der angefangen ist.

Ist unser "gemeinsamer Nenner" die Erkenntnis, dass so etwas klar als Problem gezeigt wird?